Die Homepage ist das Zuhause im world wide web




 

Der Spiegel, Kultur, 23.10.2006

, 3. April 2015

Lust auf den Ganges

Für alle, die sich in den frühen Siebzigern nach Indien aufmachten, um der dogmatisch erstarrten linken Szene zu entkommen, mit Stil zu kiffen und Weisheit und Sonne zu tanken, ist dieses Buch ein absolutes Muss. Hirnrissig komisch und innig nimmt es, nach mehr als 30 Jahren, Abschied von einem Traum. Reporter Helge Timmerberg, 54, mittlerweile in Würde ergraut, landet noch einmal im nächtlichen Chaos von Delhi. Sein Projekt: den Ganges von der Quelle bis zur Mündung abzufahren. Sein eigentliches Ziel: den Wahnsinn noch einmal zu erleben. Er trifft auf verschlagene Reiseleiter, auf kultivierte europäische Geschäftsfrauen, auf junge Esoterikerinnen, er fliegt, er wandert, er lässt sich auf Rikschas durchschütteln und verliert dabei einen Zahn. Und er sieht: Indien ist reicher und leistungsbereiter geworden, und auch er selbst ist nicht mehr der Gleiche, aber in den am wenigsten erwarteten Momenten sind die Echos dieser tiefen und völlig verrückten Seinsmusik, die es immer nur in Indien gab, noch zu hören – ob im Shiva-Tempel oder in Mutter Teresas Haus der Sterbenden oder im Indian Coffee House.

“Shiva Moon” ist ein ziemlich lässiges Gespräch mit dem Leser, der übrigens auch sehr jung sein und seinen ersten Indien-Trip noch vor sich haben kann. Es streift die Bhagavadgita und Bukowski, und es kommt Jahrzehnte später, zu hart erarbeiteten Erkenntnissen wie der, dass man zwar denselben Fehler nicht unbedingt noch einmal macht, dafür aber andere. “Einen Fehler aber macht man immer, oder nicht?” Man liest, lacht, träumt – und bekommt erneut Lust auf die Mönche am Ganges.

 

Die Welt, 30.09.2006

Erstaunlich: Inder sind bescheuert

Ein komischer Effekt entsteht bekanntlich dadurch, dass ein großer dicker Mann versucht, in eine klitzekleine Badehose zu schlüpfen: Zwei Dinge werden zusammengezwungen, zwischen denen ein schreiendes Missverhältnis besteht. Dies gilt auch für “Shiva Moon”, einen Reisebericht, der eine Tour von den Quellen des Ganges bis zu seiner Mündung schildert – und ein hochkomisches Buch ist. Timmerberg nämlich war schon als Teenager in Indien, um geistliche Erleutung zu suchen (und fand sie auch; eine innere Stimme befahl ihm, Journalist zu werden). Nun wiederholte er diese Reise mit Paarundfünfzig. Mittlerweile hält er Indien aber nicht mehr für das Land des Lächelns und der Weisheit, sondern hat etwas Erstaunliches herausgefunden: Die Inder sind “genauso bescheuert wie wir alle”. Die Kontrastwirkung, die sich daraus ergibt, ist wirklich witzig. Im Übrigen schreibt Timmerberg so göttlich wie Ghanesh und Krishna zusammen – manchmal, wenn es gefährlich wird, mischt sich auch ein wenig Kali hinein. Das Schöne ist: Durch jede Zeile hindurch spürt man die ernüchternde; die ganz und gar nicht blinde Liebe Timmerbergs zu diesem Land. Ein Nebeneffekt seines Buches ist, dass man sofort nach Kalkutta auswandern möchte. Offenbar steht dort das beste Kaffeehaus der Welt (besser als das “Timol Shilshom” in Jerusalem?), und dort scheint es eine Straße zu geben, die aus Buchläden besteht … hs

Leave a Reply

  • (will not be published)

Die homepage ist das Zuhause im world wide web

Jetzt habe ich auch eins. Laßt es uns hier gemütlich machen. Noch bin ich da locker. Die Grundeinrichtung steht. Ein paar Bücher, ein paar Videos und hier der Pudding Shop. Ich schlage vor, hier treffen wir uns.

Das Original steht gegenüber der Blauen Moschee in Istanbul. Der Laden ist legändär. 1970 war es der Treffpunkt der Hippies, die nach Indien wollten, oder die von Indien zurück kamen. Damals, ich wage es kaum zu sagen, gab es noch kein Internet. Aber auch offline kann geil sein. Alles was ich über die nächsten 5000 Kilometer nach Osten wissen musste, erfuhr ich im Puddingshop. So in etwa stelle ich mir das hier vor. Und esst einen Pudding, immer wenn ihr auf diese Seite geht.